BEWERBER ABSAGEN
12. März 2023 / 5 min read
Diese 5 Fehler solltest du beim Absagen vermeiden - und lieber das hier tun
Fehler 1: Zuerst allen Bewerbern:innen absagen und danach deinem Wunschkandidaten zusagen
Die Fehlannahme dahinter:
Ich bringe erst die unangenehmen Dinge hinter mich und freue mich dann auf die Zusage!
Tatsächlich habe ich es genau so erlebt: Ein Fachbereichsleiter hat allen Bewerbern abgesagt um danach feierlich zum Hörer zu greifen und den Wunschkandidaten willkommen zu heißen.
Das Problem dabei war nur: Der Bewerber wollte die Stelle nicht mehr haben. Autsch. Und das, was danach passierte, war noch unangenehmer als das Absagen an sich: Er musste den zweitbesten Kandidaten nochmal anrufen. Diesmal mit einer Zu- statt Absage, um mitzuteilen, dass dieser nun doch starten kann. Das kommt nicht immer gut an bei Bewerbern. Also bitte ändere die Reihenfolge. Und falls es dich interessiert: Der zweite-Wahl-Bewerber hat sich gefreut. Hätte aber auch anders laufen können.
Wie du es besser machen kannst:
Rufe zuerst deinen Wunschkandidaten an um zuzusagen. Ist alles geklärt und sagt dieser auch sofort zu, ohne sich eine Bedenkzeit einzufordern, kannst du getrost allen anderen Bewerbern absagen.
Und die guten Bewerber fragen, ob du ihre Bewerbung für eine zukünftige Stelle behalten darfst.
Fehler 2: Zu viel Zeit verstreichen lassen
Die Fehlannahme dahinter:
Einige Rekrutierer wollen eingehende Bewerbungen sammeln und dann alles auf einmal sichten. Das mag vielleicht aus interner Sicht effizient sein. Aus Bewerbersicht ist das jedoch ungünstig.
Denn wenn du die übliche Stellenausschreibungsfrist von 2 Wochen abwartest, um mit Bewerbern zu kommunizieren: Dann sind die richtig guten vielleicht längst wieder weg vom Arbeitsmarkt.
Wie du es besser machen kannst:
Schaue regelmäßig in dein Bewerbungspostfach und sichte alle eingegangenen Bewerbungen. Warum nicht einen interessanten potentiellen Mitarbeiter bereits während der Ausschreibungsfrist kennenlernen? Und bei Bewerbern, die eindeutig nicht passen: Sage direkt ab.
Der Bewerber freut sich über Klarheit und du häufst weniger Arbeit an.
Fehler 3: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nicht beachten
Die Fehlannahme dahinter:
Dass es ok ist, Bewerber mit bestimmten Merkmalen gar nicht erst für eine Bewerbung anzusprechen. Leider hängen immer noch derartige Diskriminierungen in Schaufenstern: „Wir suchen junge Servicekraft für unser Geschäft.“ Lass das mal lieber.
Es mag sein, dass du eine bestimmte Person vor Augen hast, die optimal für dein Team wäre. Das kann aus marketingtechnischer Sicht ganz hilfreich sein, um geeignete Recruitingmaßnahmen zu identifizieren.
Wenn du also einmal von dem Begriff Candidate Persona hörst: Hier geht es um Wunschkandidaten und deren Bedürfnisse. Dadurch kannst du geeignete Marketingkanäle herausfiltern. Aber es geht nie um die Beschränkung auf nur diesen Typus.
Auf jeden Fall solltest du offen bleiben für alle Bewerbertypen. Das bedeutet, dass in deiner Stellenausschreibung und im gesamten Bewerbungsprozess keine Benachteiligung von bestimmten Personengruppen stattfinden darf.
Wie du es besser machen kannst:
Vermeide jede Diskriminierung von Rasse oder der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität in deinem Einstellungsprozess.
Diese Kriterien solltest du nicht nur bei der Absage vermeiden, sondern vor allem bei der Auswahl eines geeigneten Kandidaten außen vor lassen. Die Fachkenntnisse, Erfahrungen und persönlichen Fähigkeiten müssen ein Rolle spielen. Weitere Informationen zum AGG findest du hier: AGG.
Sowohl ein Entschädigungsanspruch als auch ein Schadensersatzanspruch kann vom Betroffenen auf Grundlage des AGG innerhalb von 2 Monaten geltend gemacht werden. Aber dass dich davon jetzt nicht verunsichern: Denn du diskriminierst ja nicht.
Im Übrigen haben Menschen mit Schwerbehinderung das Recht bei gleicher Qualifikation wie andere Bewerber bevorzugt behandelt zu werden.
Oftmals haben diese Menschen viel gelernt, um am Arbeitsmarkt mitzuhalten. Sie sollten genauso eine echte Chance bekommen. Hier findest du die gesetzlichen Regelungen dazu: §164 SGB IX.
Fehler 4: Angst vor dem Absagen haben
Die Fehlannahme dahinter:
Absagen oder Nein zu jemanden sagen, fällt schwer. Daher lieber charmant umgehen. Wenn dem so ist: Vermutlich ist das ein Verhaltensmuster, das du nicht nur im Bewerbungsprozess von dir kennst.
Wie du es besser machen kannst:
Mach dir bewusst, was dich hindert oder dir Sorgen bereitet. Mit welcher Wahrscheinlichkeit wird das genauso eintreten? Was würde bestenfalls passieren?
Bereite dich gut auf ein kurzes Absage-Gespräch vor oder hole dir Unterstützung. Probiere es eventuell auch erst einmal mit jemand Vertrautem aus. Und dann: Einfach machen! Warum eine wertschätzende Absage wirklich sinnvoll ist, kannst du in meinem Blog BEWERBER ABSAGEN nachlesen.
Fehler 5: Das Absagen delegieren
Die Fehlannahme dahinter:
Du hast zwar das Bewerbungsgespräch geführt, aber nun keine Zeit mehr für die Absagen. Und nun soll deine Assistenz oder dein Vertreter das für dich übernehmen. Ganz ehrlich? Das ist wirklich keine gute Idee.
Auf Rückfragen kannst nur du als Gesprächsteilnehmer reagieren. Und wertschätzend ist es auch, wenn du der Ansprechpartner im Bewerbungsgespräch, beim Telefoninterview oder Probearbeiten warst.
Wie du es besser machen kannst:
Kläre von vornherein im Bewerbungsprozess ab, wer in deinem Team wofür verantwortlich ist. Für Bewerber sind konkrete Ansprechpartner wichtig, die auch mit ihnen wiederkehrend kommunizieren. Alles andere wirkt unstrukturiert.
Spätestens nach dem Bewerbungsgespräch sollte ein Gesprächsführer des Interviews die Absagen übernehmen. Initiativbewerbungen absagen und die Bewerberpostfachpflege kannst du getrost an jemanden delegieren.
Noch etwas zur Aufbewahrung von Bewerbungen
Es wird allgemein empfohlen: Hebe Bewerbungen 6 Monate auf und dann lösche sie wieder. Alle Informationen rund um den Datenschutz im Zusammenhang mit der Erfassung von Bewerberdaten findest du hier: Datenschutz im Bewerbungsprozess.
Fazit
Beim Absagen lohnt sich ein professioneller Umgang mit Bewerbern. Je öfter du rekrutierst, umso leichter wird dir das von der Hand gehen.
Ich bin mir sicher: Wenn du diese Fehler vermeidest, kann nichts mehr schief gehen. Viel Erfolg.